Praktische Pädagogik
Lernberatung
Claudia Hartmann


Verborgenes wird sichtbar

Oft werde ich gefragt, was es mit dem Labyrinth auf sich hat.

Mein letztes Erlebnis in den Gärten der Welt war wieder so ein Moment, der für mich die Aussagekraft eines Labyrinthgangs deutlich gemacht hat. Eine Freundin bat mich mit ihr zum Labyrinth zu fahren. Sie kannte das Ursymbol, ist jedoch noch nie bewusst durch ein Labyrinth gelaufen.
Als wir ankamen, zeichnete sich für mich ein das übliche Bild ab, alle Besucher irrten in den Hecken des Irrgartens umher. Um uns herum ein Gerufe und Gelächter. Das Labyrinth davor nahmen nur die wenigsten wahr. Fast unscheinbar zeichnen die Steine den Weg ab.
Dort saßen meine Freundin und ich auf einer Bank und hofften, dass es etwas ruhiger um uns werden würde.
Ich packte ein Buch von Gernot Candolini aus und las Passagen daraus vor. Ich endete mit: „Ich glaube, dass das Labyrinth ein meisterliches Werkzeug der Selbsterkenntnis ist, wenn man es zu sich sprechen lässt. Es geschieht nichts Mysteriöses oder Magisches im Labyrinth, aber das Labyrinth macht etwas sichtbar, das in uns verborgen ist.“
Nach ein paar Minuten der Stille machte ich mich als Erste auf meinen Weg. Ich ging langsam und ruhig, versuchte aber dennoch durch die geraden Wegstrecken zügig hindurch und den Wendungen entgegen zu schreiten. Ich genoss die Kraft in der Mitte bevor ich mich wieder auf den Rückweg machte.
Danach ging meine Freundin ins Labyrinth. Ich beobachtete wie sie die geraden Strecken sehr langsam ging. Es sah so aus, als genieße sie sie geradezu. Sie blickte dabei in die Ferne. Später sprachen wir über unsere Empfindungen während des Gehens. Es kam heraus, dass wir die Geraden und Wendungen sehr unterschiedlich empfanden. Ich ging von Wendung zu Wendung, während sie das Ende einer Gerade bedauerte.

Mir wurde in diesem Gespräch klar, dass mein Weg ein Abbild meiner momentanen Lebenssituation darstellt – immer wieder Wendungen und Windungen in den letzten Jahren. Ich habe ganz vergessen wie verlässlich und beruhigend ein gerader Weg sein kann. Wie erholsam Routinen für den Körper und den Geist sein können. Ich spürte in mir den Wunsch nach mehr Routinen, sowohl im Beruf als auch im Privaten.

Für mich hat der Gang durch das Labyrinth etwas sichtbar gemacht, was mir verborgen war.

Blick zurück

 
Ich erinnere mich nicht mehr, wann genau mir die Idee des "Moving Labyrinths" kam. Irgendwann im Sommer wurde aus der Idee
Realität. Per Zufall stieg ich Eisenacher Straße aus der U-Bahn und kam an der Apostel-Paulus-Kirche vorbei. Mir fiel das Plakat
der Veranstaltung "Der Faden der Ariadne" auf. Peng, dass passt zu meinem Labyrinth. Ich nahm Kontakt auf, und so kam es,
dass ich am 23. Juli mein erstes Lichter-Labyrinth in der Kirche aufbaute.
Im August zog ich weiter aufs Tempelhofer Feld und baute mein Labyrinth aus Tüchern. Bunt waren nicht nur die Tücher, auch
die Erfahrungen, die in einem Buch mit mir geteilt wurden. "Leider leben wir in einer Zeit in der die Gesellschaft diese Art von
Ruhe nicht schätzt. Eine tolle Erfahrung!" Dieser Satz hat mich dazu bewogen das nächste Labyrinth an einem sehr hektischen
Ort aufzubauen - an der Schlesischen Straße, direkt vor der Oberbaumbrücke. Eine befahrene Straße, die U-Bahn bretterte oben
und die Menschen hechteten unten vorüber. Die Radfahrer warfen einen Blick und traten in die Pedale. Touristen fotografierten
das bunte Tuch-Labyrinth, lasen die Info-Tafel und waren auch gleich wieder weg. Geduldig wartete ich, bis sich die erste Person
traute. Und dann kamen doch weitere. Kurz bevor ich abbauen wollte, kam eine Frau, stieg vom Fahrrad und ging hinein. Wieder
draußen sagte sie: "Danke für dieses Geschenk."
Ich werde oftmals gefragt, warum ich die Labyrinthe aufbaue. Dieser Dank ist die Antwort.
Mit der Friedensglocke im Friedrichshainer Volkspark habe ich einen für mich berührenden und besonderen Ort gewählt. Ich freute
mich auf das Lichter-Labyrinth an diesem Ort. Doch es kam anders. Es fing mit einem Scherbenhaufen an. Die Kisten mit den Gläsern
fielen und die meisten zerbrachen. Mein Rettungsversuch das Labyrinth aus Buttertüten und Sand aufzubauen gelang nicht. Da saß
ich dann mit wenigen Lichtern und guten Freunden, trank Tee und ließ die Glocke erklingen. Dem Weg zu folgen und ihn annehmen.
Das wurde mir an diesem Abend wieder bewusst. Genau wie im Labyrinth.
Das letzte Labyrinth in diesem Jahr fand am Landwehrkanal in Kreuzberg statt. Es war ein wunderbar leuchtender Adventssonntag
mit vielen offenen Menschen, die durch das Labyrinth gegangen sind.
Herzlichen Dank an alle, die mich unterstützt und die sich auf die Erfahrung eingelassen haben.
Ich freue mich auf das MOVING LABYRINTH 2015!

Friedvoll, aber ohne Labyrinth

Es gibt so Tage, da ist der Wurm drin und man weiß gar nicht, wie der da reingekommen ist.
Eigentlich lief alles ganz gut an - eigentlich. Ich fuhr vollgepackt mit Gläsern, Kerzen und allem
was ich für mein Lichter-Labyrinth brauchte in Richtung Friedrichshainer Volkspark. Parkte und
fing an alles auszupacken. Mit dabei eine kleine, wie sich rausstellte unhandliche, Sackkarre. Ich
lud die Kisten mit den Gläsern auf die Sackkarre. Und während ich versuchte meine Schultern
mit Taschen vollzupacken, kippte die Sackkarre samt Gläser rum. Laut klirrten die Gläser auf die
Straße. Kam mir vor wie auf einem Polterabend. Yeah - Scherben bringen ja angeblich Glück.
Ich sah in dem Moment eher alt aus. Wie bitte baue ich ein Lichter-Labyrinth ohne Gläser auf?
Während ich die Scherben vom Bürgersteig sammelte, kam mir die Idee schnell zum nächsten
Supermarkt zu laufen, Sand und Butterbrottüten zu kaufen. Gedacht - gemacht. Ich fing also
an den Sand in die Butterbrottüten zu füllen und stellte sie zum Labyrinth auf. Zwischenzeitlich
kamen Neugierige und plauschten mit mir. Irgendwann merkte ich, es geht nicht auf, die 15 kg
Sand reichen nicht aus, um mein Labyrinth zu bauen. Frustriert, enttäuscht und auch müde hielt
ich inne. Da kamen Freunde, wir machten ein paar Lichter an, ließen die Glocke erklingen und
tranken in der Dunkelheit einen Tee. Das Labyrinth hat mich diesmal einen anderen Weg geführt
und mir einen sehr friedvollen und schönen Moment beschert.

Und eines weiß ich  - nächstes Jahr wird es mit dem Moving Labyrinth die Friedensglocke 2.0 geben.